IT Strategy

Mittwoch, 3. März 2010

Quo vadis ERP?

Enterprise Resource Planning ist aus dem heutigen Unternehmensalltag nicht mehr wegzudenken. Nahezu alle internen Geschäftsprozesse (Finanz- und Rechnungswesen, Controlling, Personalmanagement, F&E, QM, Verkauf und Marketing) werden durch diese Systeme unterstützt.

Die Ziele, welche mit dem Einsatz von ERP-Systemen verfolgt werden, reichen heute über die Unternehmens- und Ländergrenzen hinaus. Unternehmen, die sich vor zehn Jahren für ein meist monolithisches und geschlossen aufgebautes ERP-System entschieden haben, stehen heute vor der Herausforderung unternehmensübergreifende Prozesse in den Griff zu bekommen.

Wenn es darum geht, heterogene Systemlandschaften in (virtuellen) Unternehmen zu verbinden und unternehmensübergreifende Prozesse abzubilden, kommt man an dem von Gartner geprägten Begriff ERP II (Extended ERP) nicht vorbei.

ERP II - Definition Framework

Die Software-Anbieter (SAP, Oracle, Microsoft, u.a.) reagierten auf die veränderten Marktbedürfnisse und brachten eine neue Generation von ERP-Systemen mit grundlegend gewandelter Architektur auf den Markt. ERP II-Systeme verfügen über internetfähige Applikationsserver auf Basis von ABAP (SAPAS), J2EE (SAP- u. OracleAS) oder .Net. Diese Systeme sind für die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit via Internet konzipiert und integrieren die gesamte Wertschöpfungskette (CRM - Customer Relationship Management, Enterprise Resource Planning u. SCM - Supply Chain Management). Geschäftsdaten können auf Basis dieser Systeme direkt in Echtzeit und ohne Medienbrüche übertragen werden.

Bei ERP-Einführungen steht heute neben dem Investitionsschutz vermehrt die Technologie im Mittelpunk. Diese beeinflusst maßgeblich die Systemflexibilität und damit die Prozess- und IT-Kosten nachhaltig.

Fazit: ERP II beschreibt also vielmehr eine Evolution des Konzepts ERP als eine Revolution.

Manfred Widhalm Manfred Widhalm
mwidhalm (at) deloitte.at

Freitag, 6. November 2009

BI – Next generation

Business Intelligence ist scheinbar in aller Munde, BI 2.0 oder pervasive BI sind nur einige der BI Schlagworte. Was ist eigentlich BI? Wofür steht BI?

„BI = Right Data + Right Time + Right Person”

BI ist mehr als Data Warehouse und „the single version of truth“. BI ist definitiv kein einzelnes Produkt, eine Methode oder eine Technologie, vielmehr alles von dem. BI ist eine Sammlung von Technologien, Applikationen, Prozessen und Praktiken mit dem Ziel Business Daten in nutzbare Information zu transformieren, nicht zuletzt um einen Wettbewerbsvorteil zu generieren.

Die digitale Informationsflut und zugehörige Datenmengen nehmen stetig zu, und zwar mit horrendem Tempo. Eine unternehmensweite Verarbeitung dieser Daten im Sinne von Analysen oder Mustererkennungen ist ohne BI-Strategie nicht denkbar.

Was ist die Next Generation von BI?
Zuerst sei einmal „pervasive BI“ erwähnt. Der Einstieg oder Übergang zu Pervasiver BI meint, dass Management und Mitarbeiter auf jeder Stufe einer Organisation Zugang zu “Intelligence” und Key Performance Indikatoren erhalten. Damit erfolgt eine Demokratisierung des Informationszugriffs, welche die Informationen näher zu den Mitarbeitern bringt. Das wiederum bedingt eine höhere Effizienz im Betrieb und der Verwaltung von BI-Tools, z.B. durch eine harmonisierte und standardisierte BI-Plattform.

Von Web 2.0 zu BI 2.0.
Der immer größer werdende Konkurrenzdruck verlangt immer mehr eine zeitnahe, und sogar real-time Fähigkeit. Das bedingt beispielsweise eine Abkehr von riesigen Unternehmens-DWHs. Eine Variante wäre Twitter Intelligence, ein „Business Intelligence Tool“ als Basis für Real Time BI – Kommentare dazu können unter
Twitter “Intelligence”? – The New BI Tool?
nachgelesen werden. Fragt sich nur wie Unternehmen Twitter Informationen nutzbar machen können?


Lust auf mehr? YouTube bietet mehr unter The Value of Business Intelligence oder History of Business Intelligence


Stephan Pavek Stephan Pavek
spavek at deloitte dot at

Montag, 2. November 2009

"Benchmarking - Schein und Sein"

Benchmarking versucht oft an die Erfolge anderer Unternehmen durch Vergleich anzuknüpfen. Doch Kopieren scheinbar funktionierender Strukturen oder Abläufe anderer Unternehmen ist genau das – Kopieren – und beantwortet nicht die Frage ob das Richtige kopiert wird. Vor dem Benchmarken sollte die Logik oder Theorie, wieso bestimmte Handlungen oder Veränderungen zum Erfolg führen, überprüft werden. Das Kopieren irrelevanter Abläufe oder falscher Strukturen kann durchaus das Gegenteil des Erwarteten bewirken. Eine richtig interpretierte Kennzahl aus einem völlig anderen Industriezweig ist manchmal sinnvoller als eine herbeizitierte Abweichung zum direkten Mitbewerb.

Erfahrungen aus der Vergangenheit, und gegen ebendiese Erfahrung zu benchmarken wird nicht immer von Erfolg gekrönt sein – hier wird ein ausführlicher Blick in den Rückspiegel nicht unbedingt die Herausforderungen der Zukunft lösen helfen. Auch sind die theoretischen Zusammenhänge zwischen Maßnahme in der Vergangenheit und daraus resultierendem Erfolg genau zu analysieren. Oft sind Vergleiche im eigenen Unternehmen über mehrere Abteilungen oder Länder kurzfristig wirkungsvoller als Zielgrößen ohne diesen Kontext.

Diese und andere Managementthesen werden im Buch „Harte Fakten, gefährliche Halbwahrheiten und absoluter Unsinn“ von J.Pfeffer und R. Sutton, Harvard Business School Press, auf den Prüfstand gestellt. Im Wesentlichen wird darin gefragt, ob in Unternehmen auf Grund nicht ausreichender Informationen, eingefahrener Ideologien oder auf Grund harter Fakten gehandelt wird.

Mit einigen wenigen Prinzipien wird in Anlehnung an die Medizin – dort Evidence-Based Medizin – unter Berücksichtigung der aktuellsten Faktenlage/Stand der Forschung „Evidence-Based Management“ für Unternehmen und Unternehmer beschrieben. Ein Vorgehen zum faktenorientierten Management, das Prinzipien für besseren Entscheidungen liefert und damit Benchmarking ohne kritische Würdigung der Rahmenbedingungen als nicht sehr hilfreich beschreibt.

Helmut Byloff Helmut Byloff
hbyloff (at) deloitte.at

Montag, 14. September 2009

Aus dem Green IT Village hinaus in die Green IT World

Das Top-Thema der diesjährigen CeBIT, dem sogar eine gesamte Halle gewidmet wurde, war Green IT. Denn trotz des Abrutschens von Platz eins auf Platz zehn in den IT-Trends 2009, stehen Green-IT-Projekte auf der Agenda der meisten CIOs.

Top 10 Strategic Technology Areas for 2009

Konsolidierung und Zentralisierung sind heute wesentliche Aufgaben der IT-Abteilung. Mit der Leistungsfähigkeit eines Rechners wachsen aber auch dessen Energiebedarf (und das bei steigenden Energiekosten) sowie die erzeugte Abwärme. Dabei sind Prozessoren die größten Energienutzer. Bei dem geplanten Wechsel von Unix-Rechnern, die auf RISK-Architektur basieren, zu Rechner mit x86-Multi-Core-Prozessoren sollte daher das Verhältnis von Prozessorleistung zu Energieaufnahme berücksichtigt werden. Der Energieverbrauch von Multi-Core-Prozessoren ist schließlich von der Auslastung der Rechnerkerne abhängig!

Einer Studie des Uptime Institute zufolge sind zehn bis 30 Prozent der Rechner in Rechenzentren ungenutzt. Die Reduzierung der Anzahl überflüssiger Rechner bietet sicher die einfachste Einsparmöglichkeit. Doch auch außerhalb des Rechenzentrums wird durch laufende ungenutzte Computer nachts und an Wochenenden Energie verbraucht. Das so entstehende Mehr an Energiekosten wäre jedoch vermeidbar.

Ob ein Energieeffizienz-Label für IT-Komponenten die Lösung darstellt, ist fraglich. Sicherlich wäre ein Energieeffizienz-Label wie bei Haushaltsgeräten heute üblich, das auf den Verbrauch hinweist, eine wünschenswerte Entwicklung. Allerdings liegt es auf der Hand, dass das Energieeffizienz-Label an sich unzureichend ist.

Fazit: In Zukunft werden zunehmend gesamtheitliche Ansätze gefahren werden, die über Einzelthemen wie Virtualisierung und die Beschaffung energieeffizienter Hardware hinausgehen.

Manfred Widhalm Manfred Widhalm
mwidhalm (at) deloitte.at

Donnerstag, 6. August 2009

Vom Net Computing zum Cloud Computing

Ging es beim Net Computing um die Verlagerung der Verarbeitungskapazität ins Unternehmens-Netzwerk mit dem Ziel schlankerer Client Rechner, ermöglicht Cloud Computing das Auslagern von Hardware und Software in die so genannte „Wolke“. Cloud Computing war bereits im vergangenen Jahr ein viel gebrauchtes Schlagwort, 2009 hat es Cloud Computing unter die zehn wichtigsten Technologie-Trends geschafft.

Die drei bekanntesten Services dazu sind von Amazon, Microsoft und von Google (siehe Presseaussendung: Cloud Computing ).

Gartners Hype Cycle for Emerging Technologies 2009


Die Wolke beim Cloud Computing stellt eine virtuelle und skalierbare IT-Infrastruktur dar, die entweder als Plattform (IaaS) oder für den Betrieb von Anwendungen (PaaS) genutzt wird. Der Pionier in Sachen Cloud Computing ist Amazon. Das Unternehmen ist seit Ende der 1990er Jahre vom Internet-Versandbuchhändler zum Dienstleistungsanbieter avanciert und bietet unter dem Namen „Amazon Web Services“ eine Sammlung unterschiedlicher Web Services an, darunter auch Amazon Elastic Compute Cloud.

Neben Amazon hat sich Microsoft mit der „Windows Azure Plattform“ . frühzeitig im Markt für Cloud Computing etabliert. Google ist bei diesem Thema natürlich auch präsent.

Die Windows Azure Plattform wird Ende des Jahres generell verfügbar sein. Das kürzlich auf der weltweiten Partnerkonferenz in New Orleans vorgestellte Preismodell zielt darauf ab, konkurrenzfähig zu sein. Ein direkter Preisvergleich mit Amazon blieb jedoch aus. Abzuwarten ist, ob trotz der zugesicherten Unterstützung von nicht-Microsoft Technologien Portierbarkeit gegeben ist. Der Vorteil einer Entwicklung für Amazon Elastic Compute Cloud ist, dass diese problemlos ins eigene Unternehmen geholt werden kann.

Google’s „Google App Engine“ baut auf dem unternehmenseigenen Operating Environment auf und soll so den einfachen Anwendungsbetrieb ermöglichen. Gerade dies führt aber zu größeren Einschränkungen verglichen mit Amazon Elastic Compute Cloud.

Besonders interessant ist Cloud Computing für Unternehmen in der Startup-Phase: Größere Investitionen in Hard- und Software können vermieden werden, denn bezahlt wird nur für die tatsächlich in Anspruch genommene Leistung.

Heute verfügt jeder Anbieter über eigene Schnittstellen, es gibt jedoch bereits eine erste Initiative sich auf Standards zu einigen. Das klingt zwar vielversprechend, bis zur standardisierten Wolke wird aber noch etwas Zeit vergehen, schließlich haben sich bedeutende Unternehmen wie Amazon, Microsoft oder Google nicht daran beteiligt.

Fazit: Ein Technologie-Trend, den CIOs beobachten und auf dem Technologie-Radar haben sollten.

Manfred Widhalm Manfred Widhalm
mwidhalm (at) deloitte.at

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