Gesundheitswesen

Dienstag, 19. Januar 2010

Vier Einsatzmöglichkeiten für RFID im Gesundheitswesen

In den Diskussionen rund um unser Gesundheitssystem stehen vor allem die Themen Kosten und Qualität im Vordergrund. Mit den vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen soll eine möglichst optimale medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleistet werden.

Die Qualität der medizinischen Behandlung wird vorwiegend durch die Fähigkeiten und das Wissen der behandelnden Personen, sprich der Ärzte, Krankenschwestern usw., bestimmt. Doch ein weiterer wesentlicher Baustein im Gesamtsystem ist die Qualität der durchgeführten Prozesse. Wesentliche Fragen in diesem Zusammenhang sind daher: Gibt es Möglichkeiten, Prozesse in der medizinischen Versorgung mit Hilfe von unterstützenden Technologien effizienter zu gestalten um dadurch Kosten im Betrieb einzusparen? Und können die Qualität der durchgeführten Prozesse gesteigert und die möglichen Risiken reduziert werden?

Die Akteure im Gesundheitswesen haben unterschiedliche Anforderungen und Herausforderungen, wie z.B.:
  • Steigender Kostendruck
  • Ineffiziente Prozesse
  • Verminderung der möglichen Risiken in der medizinischen Versorgung
  • Effizienterer Einsatz der Mitarbeiter
  • Reduktion der Logistikkosten
Eine Möglichkeit der Unterstützung in der Leistungserbringung ist der Einsatz von RFID-Technologien. Anwendungen in diesem Bereich haben das Potential medizinische, operative und finanzielle Bereiche eines Krankenhauses positiv zu beeinflussen. Mögliche Anwendungsgebiete sind:
  • Patienten Identifikation: Patienten können rasch und unkompliziert identifiziert werden. RFID-Armbändchen können als mobiler Patienten-Datenspeicher genutzt werden, um Fehler in der medizinischen Behandlung zu reduzieren.
  • Fehler-Reduzierung am Point-of-Care: Die portablen Patienten-Datenspeicher beinhalten Informationen hinsichtlich der zu verabreichenden Medikation. Dadurch können Fehler in der stationären Arzneimitteltherapie vermieden werden.
  • Schutzsystem für Desorientierte: RFID-Armbänder können für demenzkranke Patienten oder Bewohner in Pflegeheimen für die Ortung im Falle eines „Weglaufens“ eingesetzt werden. Dadurch können sich desorientierte Patienten innerhalb des Hauses frei bewegen, der Aufwand für die Suche wird auf ein Minimum reduziert und potentielle Gefahren für die Bewohner können beseitigt werden.
  • Unterstützung im Logistikprozess: RFID-Technologien können für die Optimierung des Warenflusse, für die Dokumentation oder auch für die Rückverfolgung (Tracking & Tracing) von Produkten und Gütern genutzt werden.
Zu Beachten beim Einsatz von Technologien sind auf jeden Fall die Bereiche Datenschutz und Datensicherheit, sowie die möglichen Investitions- und Implementierungskosten.

Der Einsatz von RFID-Technologie bietet vor allem Sicherheit und Qualität im Behandlungsprozesses, Zeiteinsparungen, Kosteneinsparungen, Außenwirkung und einen positiven Einfluss auf die Arbeitsgestaltung. Im Rahmen von Pilotprojekten konnten diese positiven Effekte nachgewiesen werden. Durch die Nutzung dieser Technologie im Bereich Patienten-Identifikation, Fehlreduzierung in der Betreuung, Logistik, Inventarisierung konnten nennenswerte Kosteneinsparungen im Krankenhaus erzielt werden. Weiters konnten Prozesse vereinfacht und effizienter gestaltet werden, die dazu führten, dass bei Krankenpflegern wesentliche Einsparungen im Bereich der Arbeitszeit realisiert wurden. Die dadurch „frei“ werdende Zeit kann nun zusätzlich für die Betretung und Pflege der Patienten genutzt werden.

Michael Doppelmeier Michael Doppelmeier
mdoppelmeier (at) deloitte.at

Montag, 16. November 2009

Wenn der Fernseher mit dem Patienten spricht

Auch wenn Xing, Facebook und andere social Networks kaum praktische Hilfe für den Alltag pflegebedürftiger Menschen bieten können; ein ganz wesentlicher Aspekt für das Gesundheitswesen wird häufig unterschätzt. All diese Networks sind für die grenzenlose Mobilität der Babyboomer–Generation entwickelt worden. Mit dem sehr individuell selektierten Freundeskreis dieser Generation wird auf allen fünf Kontinenten der Kontakt gehalten.

Während man früher sein soziales Umfeld eher gezwungenermaßen in der Region gesucht und gefunden hat, ist es heute kein Problem mehr, wichtige Stationen im Leben der Freunde quer über den Erdball zu verfolgen. Diese Vernetzung kann jedoch auch zentrale Bedürfnisse älterer Menschen befriedigen, deren Aktionsradius bereits eingeschränkt ist.
Gemeint ist hier jedoch nicht etwa das Bedürfnis nach sozialer Interaktion. Vielmehr geht es um die latente Angst dieser Menschen auf Grund der fehlenden Besuche im Ernstfall über einen längeren Zeitraum keine Hilfe herbeiholen zu können. Der Tod als unvermeidliche Folge des Lebens verbreitet erheblich weniger Ängste als das Siechtum. Zu präsent sind die Zeitungsmeldungen von Verstorbenen, die erst nach mehreren Wochen und Monaten entdeckt werden.

Während bereits Fußböden entwickelt werden, die Stürze der Bewohner erkennen und über eine Alarmzentrale selbständig Hilfe herbeiholen können, denke ich hingegen, dass diese intelligente Haustechnik neben den Kosten vor allem am fehlenden Nutzen, solange man gesund ist, scheitern wird. Relativ hohe Investitionskosten, die für eine Eventualität ausgegeben werden, die möglicherweise niemals eintritt, wird vermutlich die meisten Menschen abschrecken.

Wesentlich erfolgversprechender, weil massentauglicher sind Applikationen, die auf Basis der Vernetzung, Kurzweile ins Leben der immobil gewordenen Menschen bringt. Dabei dürfte es ein leichtes sein, Routinen im Leben der Betroffenen dazu zu nützen, eine stufenweise Alarmierung auszulösen. Neben der fix vorprogrammierten Lieblingssendung im TV können die Systeme aber auch registrieren und lernen, wenn typischerweise konsumierter Content nicht beansprucht wird.
Ja sogar die Regelmäßigkeit der Medikamenteneinnahme könnte (natürlich nur auf freiwilliger Basis) überwacht und als Indikator dafür herangezogen werden, dass alles in Ordnung geht. Werden vom dezentralen System ein oder je nach individueller Einstellung auch mehrere Abweichungen von der erwarteten Routine registriert, wird über das Netzwerk Alarm ausgelöst.

Ob nun erst ein automatisiertes SMS zur Erinnerung oder ein Anruf der alarmierten Angehörigen folgt oder vielleicht sogar der Hausarzt mittels Videokonferenz Nachschau hält, wird wohl erst nach ersten Testerkenntnissen auf Basis der Praktikabilität definiert werden. Klar ist hingegen jetzt schon, dass auch die Sozialversicherungen ein Interesse haben müssten, dass das Problemfeld der Compliance mit wirksamen Methoden einer Lösung zugeführt wird.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Produkte wie dieses sich unweigerlich in der nahen Zukunft etablieren werden. Fraglich ist heute nur noch, welche Interessensgruppen die Federführung übernehmen, und damit maßgeblichen Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung haben werden. Klar ist hingegen, dass die datenschutzrechtlichen Sorgen der Patienten sich beim Herannahen des Lebensendes massiv reduzieren. Daher werden gegebenenfalls die Patienten selbst derartige Konstruktionen anregen.


Beate Hartinger Beate Hartinger
bhartinger (at) deloitte.at

Freitag, 23. Oktober 2009

Integrierte Versorgung – Herausforderung für alle Systempartner

Als Schlagwort in aller Munde scheitert die Integrierte Versorgung derzeit im Wesentlichen am dualen Finanzierungssystem des Gesundheitswesen. Solange sie als Sparmaßnahme missverstanden wird, gibt es auch keine Chance auf Umsetzung.

Wir alle wissen, dass Sparmaßnahmen im Gesundheitsbereich sich nicht werbewirksam kommunizieren lassen. Auch der Kunstgriff von besserer Effizienz und ökonomischerer Vorgangsweise zu sprechen, ist bestenfalls ein Hilfsmittel, um notwendige Reformen irgendwie positiv vermarkten zu können.

Jeder Vorstoß in eine gesamtwirtschaftliche Zukunft wird vom Verhandlungspartner im günstigsten Falle kritisch beäugt, in der Regel aber als unmoralisch diskreditiert. Bei der Integrierten Versorgung scheint dies auf den ersten Blick genauso zu sein. In Wahrheit aber ist sie die Gelegenheit das Gesundheitsbudget wieder verstärkt für die Gesundheit (präventiv sowie kurativ) einzusetzen.

Mit anderen Worten: Für absehbare Zeit ist die Integrierte Versorgung eine der wenigen Chancen der Ärzte einen größeren Anteil am gesamten Gesundheitsbudget zu bekommen. Angesichts der Wirtschaftskrise ist eine gravierende Aufstockung der Gesundheitsbudgets nicht in Sicht. Mehr als Anpassungen an die Inflation ist nicht zu erwarten. Wenn also der gesamte Kuchen nicht größer wird, beginnen üblicherweise die Verteilungskämpfe um das größte Stück am Kuchen.

Mit der Integrierten Versorgung bietet sich den Ärzten eine Chance, wie sie so schnell nicht wieder zu erwarten ist. Macht man sich bewusst, dass Krankenanstalten immer ein wichtiger Arbeitgeber einer Region sind, erkennt man unschwer, dass hier mit Gesundheitsgeldern Arbeitsplatzpolitik betrieben wurde. Es ist kaum zu glauben, was man an einem Krankenhaus so alles um-, neu- oder zubauen muss bevor eine optimale medizinische Versorgung gewährleistet ist. Und vergessen wir nicht die notwendigen Instandhaltungsarbeiten.

Dass dann kein Geld für notwendige Dokumentationsassistentinnen bleibt, sondern verstärkt Turnusärzte dafür missbraucht werden, kritisiert die Ärztekammer regelmäßig. Doch die Integrierte Versorgung ist mehr als eine Notwendigkeit, die Kassendefizite im Zaum zu halten. Die Integrierte Gesundheitsversorgung kann die Vorteile von Krankenanstalten und niedergelassenen Ärzten verbinden und zu einem wettbewerbsfähigeren Preis am Markt anbieten. Daher sind alle Systempartner aufgerufen diese Chance so bald wie möglich zu nützen und den dadurch entstehenden Vorteil so weit wie möglich an die Patienten abzugeben.

Auch viele andere Berufsgruppen, die nicht unmittelbar mit der Gesundheit zu tun haben „naschen“ an den Geldern für die Krankenanstalten mit. Köche, Reinigungskräfte, Portiere und viele mehr arbeiten nicht für die Gesundheit sondern auch für das Wohlbefinden der Patienten. Dies alles verteuert medizinische Leistungen, die in vielen Fällen ebenso gut von niedergelassenen Ärzten erbracht werden könnten.
Ebenso gut und billiger wird vielleicht mancher einwenden wollen. Ebenso gut und eigenverantwortlich trifft es wohl am genauesten. Im niedergelassenen Bereich bestimmen die Ärzte selbst über ihre Ressourcen. Integrierte Versorgung ist daher die Chance der Spitalsärzte, aberwitzigen Arbeitszeitenregelungen zu entgehen und aus einer Gesundheitsmaschinerie auszubrechen.

Durch besseres Service und mehr Qualität sollte es leicht möglich sein, sich von der Konkurrenz abzuheben, und sogar ohne Kassenvertrag am Markt bestehen zu können. Haben sich erst mal einige Versorgungszentren am Markt etabliert, hat die Politik genauso wie die Sozialversicherung praktisch keine anderen Möglichkeiten mehr.
Wer erwartet, dass öffentliche Institutionen hier mit Initiativen starten, verkennt die politische Realität. Private Initiativen müssen ihre Beweglichkeit und Kreativität einsetzten, um mehr Selbstbestimmtheit für die Ärzte zu erlangen. Gerade am Anfang sollte man sich von den öffentlichen Institutionen nicht zu viel erwarten.

Gerade die Landespolitiker werden noch viel Größe beweisen müssen. Macht und Einfluss im Gesundheitsbereich sowie bei der Vergabe von Arbeitsplätzen aufzugeben, ist keine Einfache Herausforderung. Doch sie ist ebenso notwendig, wie die Bereitschaft der Sozialversicherungen die Verlagerung aus dem intramuralen Bereich zumindest kurzfristig vorzufinanzieren.

Wie immer wird sich für die Vorreiter, die sich bereits heute das rechtliche und organisatorische Know How aneignen oder bei Deloitte zukaufen, diese Investition lohnen. Denn die Entwicklung zur integrierten Versorgung kann sich schlimmstenfalls ein wenig verzögern. Langfristig ist sie nicht aufzuhalten.

Auch muss niemand auf die Legalisierung der GmbH im Gesundheitswesen warten. Ich bin der festen Überzeugung, das integrierte Gesundheitszentren bereits nach heutiger Rechtslage möglich und zulässig sind.



Bernhard Graf Bernhard Graf
bgraf(at)deloitte.at

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Das Gesundheitswesen wird virtuell

Wir leben in einer Welt, die digital geworden ist. Die Revolution der Informationstechnologie hat eine gleichermaßen große Bedeutung, wie die der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert. Heute sind die wesentlichen „driver“ der Bürger, das Wissen und die IT.

Auch die Medizin und das Gesundheitswesen greifen vermehrt auf Web-2.0-Technologien zurück. Auf Grund der hohen Durchdringungsrate des Internets in allen Gesellschaftschichten wird dieses Medium für den Austausch von Wissen und Meinungen immer wichtiger und interessanter. In Deutschland sucht jeder dritte Internetbenutzer mindestens einmal im Monat nach Gesundheitsinformationen.

Das Web 2.0 bietet eine Reihe von Möglichkeiten und innovativen Wegen. Patienten, Mediziner und Wissenschaftler können miteinander kommunizieren und aktuelle Themen und Probleme diskutieren. Eine klassische Anwendung ist hier eHealthopinion, eine Plattform die Patienten mit Ärzten verbindet. Der Patient kann einen eigenen Fall anlegen und diesen an Ärzte weitersenden um Ratschläge zur Behandlung zu bekommen oder einfach, um eine zweite Meinung einzuholen.

Auch Ärzte können miteinander in Kontakt treten und sich austauschen. Es existiert bereist eine Reihe von Fehlerberichtssystemen (z.B. jeder-fehler-zählt, Australian Patient Safety Foundation, cirsmedical ). Ärzte können Fehlerberichte online stellen, andere können diese lesen und so auf einfachem und schnellem Weg voneinander lernen.

Patienten können sowohl Ärzte als auch Krankenhäuser nach einer erfolgten Behandlung anhand von definierten Kriterien bewerten. Das hilft nicht nur zukünftigen Patienten bei der Auswahl ihres Leistungserbringers, sondern gibt auch den Gesundheitsanbietern ein Feedback, wie der Markt sie wahrnimmt und wo noch Verbesserungspotentiale schlummern.
In England wurde seitens des britischen National Physical Laboratory und des Imperial College die Idee eines virtuellen Krankenhauses entwickelt. Lange Anfahrtszeiten, laute und überfüllte Wartezimmer und Ärzte, die nur wenig Zeit für eine Diagnose haben gehören bei "Second Health" der Vergangenheit an. Patienten „kommen“ um mit einem virtuellen Arzt zu reden, der ihre digitalen Röntgen- und Ultraschallbilder überprüft, eine Diagnose erstellt und falls nötig eine Überweisung oder ein Rezept schreibt.

Eine richtige Videokonferenz können Ärzte mit Patienten in Schottland mithilfe eines telemedizinischen Systems führen. Die Ausrüstung besteht aus einem Videokonferenzsystem und Geräten zum Messen von Blutdruck, Temperatur, Pulsschlag sowie Gewicht und Lungenfunktion. Der Arzt leitet die Patienten per Kamera und Bildschirm an, die Messungen selbsttätig durchzuführen, und erstellt anhand der Daten eine Diagnose.

Deloitte hat zu dem Thema "Web 2.0 + You = Health Plan 2.0" einen Artikel veröffentlicht. Dieser behandelt die Entwicklungen im Bereich Web 2.0 und wie diese genutzt werden können um die Beziehung zum Kunden zu verbessern und die Transparenz zu erhöhen.

Die Vorteile solcher Anwendungen liegen klar auf der Hand. Sie verschaffen nicht nur Kosten- und Effizienzvorteile, sondern ermöglichen auch in der Betreuung und Versorgung der Patienten ein höheres Maß an Flexibilität, schaffen Transparenz, bieten ein zusätzliche Vielfalt an Services und bieten Informationen und Daten, die für alle zugänglich sind. Telemedizinische und Web 2.0 Anwendungen sind somit auch in der Medizin auf Vormarsch und nicht mehr aufzuhalten.


Michael Doppelmeier Michael Doppelmeier
mdoppelmeier (at) deloitte.at

Mittwoch, 15. Juli 2009

Wie ethisch kann oder soll ein ökonomisches Gesundheitswesen sein?

In Zeiten knapper Ressourcen nähert sich die Diskussion im Gesundheitswesen immer schnell der Frage, in welchem Verhältnis das technisch Machbare zum moralisch Vertretbaren steht. Klar ist, dass die Frage mit rein ökonomischen Mitteln nicht beantwortet werden kann.
Denn die Tools des Ökonomen wurden nicht geschaffen, um Wertungen vorzunehmen. Diese dienen in der Regel nur dazu, die notwendige Transparenz herzustellen. Wer diese Transparenz mit dem Totschlagargument des „Sparens im Gesundheitsbereich“ prinzipiell ablehnt, erreicht zweierlei:
Zum einen wird zwar mit Erfolg verhindert, dass irgendjemand die Frage je falsch beantwortet. Zum anderen wird aber auch verhindert, dass sinnvolle Maßnahmen, deren Einführung bei vorliegender Transparenz völlig unbestritten wären, je realisiert werden können.
Sicher ist: eine Steigerung der Effizienz, eine Optimierung der Prozess- und Ergebnisqualität sind notwendig, um unsere Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau sicher zu stellen. Doch bisher schrecken noch alle Entscheidungsträger vor der Beantwortung der einleitenden Fragestellung zurück.
Dabei ist die Angst vor dieser Fragestellung völlig unbegründet. Mit derselben hartnäckigen Beharrlichkeit, mit der leider bereits heute die Transparenz verhindert wird, ist zu rechnen, wenn „Sparmaßnahmen“ nicht zweifelsfrei belegbar sind.
Denn die Verhinderungstaktik ändert nichts daran, dass wir in einem zum Wachstum verurteilten Wirtschaftssystem zwangsläufig mit massivem Kostendruck konfrontiert werden – unabhängig davon, wie groß oder klein der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP ist. Wird dieser Kostendruck zu groß, kollabiert das System und in Ermangelung der eingemahnten Transparenz muss dann rationiert statt rationalisiert werden.
De facto handeln also gerade diejenigen, die die Bürgerinnen und Bürger unter dem Deckmantel der Ethik vor Sparmaßnahmen auf Kosten der Patienten schützen wollen, besonders unethisch. Sie verhindern in Wahrheit nur sinnvolle Rationalisierungen und leisten zwangsläufig den Rationierungen Vorschub. Wenn auch wohl nur unwissend und ungewollt.


Beate Hartinger Beate Hartinger
bhartinger (at) deloitte.at

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