Das Gesundheitswesen wird virtuell

Wir leben in einer Welt, die digital geworden ist. Die Revolution der Informationstechnologie hat eine gleichermaßen große Bedeutung, wie die der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert. Heute sind die wesentlichen „driver“ der Bürger, das Wissen und die IT.

Auch die Medizin und das Gesundheitswesen greifen vermehrt auf Web-2.0-Technologien zurück. Auf Grund der hohen Durchdringungsrate des Internets in allen Gesellschaftschichten wird dieses Medium für den Austausch von Wissen und Meinungen immer wichtiger und interessanter. In Deutschland sucht jeder dritte Internetbenutzer mindestens einmal im Monat nach Gesundheitsinformationen.

Das Web 2.0 bietet eine Reihe von Möglichkeiten und innovativen Wegen. Patienten, Mediziner und Wissenschaftler können miteinander kommunizieren und aktuelle Themen und Probleme diskutieren. Eine klassische Anwendung ist hier eHealthopinion, eine Plattform die Patienten mit Ärzten verbindet. Der Patient kann einen eigenen Fall anlegen und diesen an Ärzte weitersenden um Ratschläge zur Behandlung zu bekommen oder einfach, um eine zweite Meinung einzuholen.

Auch Ärzte können miteinander in Kontakt treten und sich austauschen. Es existiert bereist eine Reihe von Fehlerberichtssystemen (z.B. jeder-fehler-zählt, Australian Patient Safety Foundation, cirsmedical ). Ärzte können Fehlerberichte online stellen, andere können diese lesen und so auf einfachem und schnellem Weg voneinander lernen.

Patienten können sowohl Ärzte als auch Krankenhäuser nach einer erfolgten Behandlung anhand von definierten Kriterien bewerten. Das hilft nicht nur zukünftigen Patienten bei der Auswahl ihres Leistungserbringers, sondern gibt auch den Gesundheitsanbietern ein Feedback, wie der Markt sie wahrnimmt und wo noch Verbesserungspotentiale schlummern.
In England wurde seitens des britischen National Physical Laboratory und des Imperial College die Idee eines virtuellen Krankenhauses entwickelt. Lange Anfahrtszeiten, laute und überfüllte Wartezimmer und Ärzte, die nur wenig Zeit für eine Diagnose haben gehören bei "Second Health" der Vergangenheit an. Patienten „kommen“ um mit einem virtuellen Arzt zu reden, der ihre digitalen Röntgen- und Ultraschallbilder überprüft, eine Diagnose erstellt und falls nötig eine Überweisung oder ein Rezept schreibt.

Eine richtige Videokonferenz können Ärzte mit Patienten in Schottland mithilfe eines telemedizinischen Systems führen. Die Ausrüstung besteht aus einem Videokonferenzsystem und Geräten zum Messen von Blutdruck, Temperatur, Pulsschlag sowie Gewicht und Lungenfunktion. Der Arzt leitet die Patienten per Kamera und Bildschirm an, die Messungen selbsttätig durchzuführen, und erstellt anhand der Daten eine Diagnose.

Deloitte hat zu dem Thema "Web 2.0 + You = Health Plan 2.0" einen Artikel veröffentlicht. Dieser behandelt die Entwicklungen im Bereich Web 2.0 und wie diese genutzt werden können um die Beziehung zum Kunden zu verbessern und die Transparenz zu erhöhen.

Die Vorteile solcher Anwendungen liegen klar auf der Hand. Sie verschaffen nicht nur Kosten- und Effizienzvorteile, sondern ermöglichen auch in der Betreuung und Versorgung der Patienten ein höheres Maß an Flexibilität, schaffen Transparenz, bieten ein zusätzliche Vielfalt an Services und bieten Informationen und Daten, die für alle zugänglich sind. Telemedizinische und Web 2.0 Anwendungen sind somit auch in der Medizin auf Vormarsch und nicht mehr aufzuhalten.


Michael Doppelmeier Michael Doppelmeier
mdoppelmeier (at) deloitte.at

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