"A Hell of a Campaign!"

So nannte Mark Mellmann, einer der Gurus unter den Kommunikationsstrategen, Barack Obamas Wahlkampf 2008. Man könnte wohl ganze Bücher schreiben über den Wahlkampf, das wird man sicherlich auch tun. Denn der Wahlkampf war wohl einzigartig. Abgesehen von der Länge, der Intensität und des Budgets, wird er als erster erfolgreich geführter Wahlkampf der Online-Kommunikation in die Geschichtsbücher eingehen. Es war schon höchst beeindruckend, was das Team mit Hilfe von Internet/Web 2.0 & Co alles auf die Beine gestellt hat. Kein möglicher Kommunikationskanal wurde ausgelassen. Neben dem "normalen" YouTube Channel, wo alle Reden von Obama eingestellt wurden, gab es noch emotionale Videos, das wohl bekannteste. "Yes we can!" (wurde übrigens 12 Millionen mal angesehen...)



Facebook wurde dazu benutzt, um aktiv eine Community aufzubauen, nicht nur um sich einfach selbst darzustellen. Web 2.0 wurde hier verstanden. "Take action" war das Motto. Freunde, Nachbarn, Verwandte sollten aufgefordert werden, Parties zu organisieren, usw. Natürlich wurde auch getwittert und es gab ein myspace Profil. Diese Liste würde sich unendlich fortsetzen lassen. Viel interessanter zu sehen ist jedoch, dass diese Tools nicht nur zur Einweg-Kommunikation verwendet wurden. Sie wurden auch verwendet, um Spenden zu sammeln. Der Großteil des Spendenaufkommens für Obama wurde mit Spenden über das Internet erzielt, die im Schnitt deutlich unter $100 lagen.
Nicht nur das, binnen Minuten wurde auf Strömungen in der Bloggerszene reagiert. Lügen, Gerüchte und Verschwörungstheorien hatten nicht die geringste Chance zu entstehen.
Hat er den Wahlkampf deswegen gewonnen? Nun sicherlich nicht nur deswegen, die Chancen standen wohl ohnehin sehr gut für die Demokraten, aber sicherlich auch deswegen. Was viel wichtiger ist, man hat eine unbezahlbare breite Basis in der jungen Wählerschaft geschaffen, die natürlich sehr wohl nach solchen Kommunikationsformen verlangt.
Die primäre Quelle für 18-29 jährige Amerikaner war das Internet.

Quelle der Jugendlichen

Interessant auch wo sie sich informieren...

Wo informieren sich die Jugendlichen

myspace schlägt die New York Times!

Nebenbei erwähnt, Prof. DDr. Arno Scharl, über den wir schon einmal berichteten, hat den U.S. Wahlkampf in den Online-Medien zum Forschungsthema gemacht. Auf der Website ECOreserarch | US Election 2008 Web Monitor kann man sich über die Intensität, die Tonalität (positiv/negativ) und die Schlagwörter, mit denen über die verschiedenen Kandidaten und Parteien online in Blogs und in den Medien berichtet wurde, informieren. Sehr interessant!

Es drängt sich ein Vergleich mit der abgelaufenen Nationalratswahl in unserem Land auf. Was haben hier die Parteien im Internet auf die Beine gestellt?
Sehr wenig bis gar nichts! Am ehesten fällt da wohl noch die Aktion der Grünen ein, über das Wahlplakat online abzustimmen.
Ein Twitter von Wilhelm Molterer, der dann doch nicht von ihm war oder vielleicht von einem Assistenten?? Niemand weiß Näheres.
Was könnte ein Grund für das gute Abschneiden von FPÖ/BZÖ in der jungen Wählerschicht gewesen sein? Auch diese beiden Parteien haben nichts erfunden in Punkto online-Kommunikation aber wenigstens, guten Willen gezeigt.

Das Problem von Politikern ist dasselbe wie jenes vieler Manager. Nur weil man selber nicht twittert, bloggt, usw. glaubt man, dieses ganze Web 2.0 findet nicht statt.
Ein fataler Irrtum!

Siehe auch das Ö1 Mittagsjournal vom 8. November 2008


Robert Hadzetovic Robert Hadzetovic
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