Internet überholt Zeitungen

Der PEW Report aus den USA zeigt, dass sich 2008 erstmals mehr Amerikaner über das Internet als über gedruckte Zeitungen informierten. Läutet Web 2.0 das Ende des Geschäftsmodells der Printmedien ein?

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Grafik: Copyright © 2008 Pew Research Center All Rights Reserved

Deloitte hat Ende letzten Jahres in einer Studie prognostiziert, dass 2009 jede 10. US Zeitung ihren Betrieb einstellen werden. Dass klang zunächst unglaubwürdig, aber inzwischen mehren sich die Zeichen, dass die Entwicklung in diese Richtung geht. So wird beispielsweise mit 17. März die Print Ausgabe der Seattle Post nach 146 Jahren eingestellt. Voriges Jahr ging der zweitgrößte Zeitungsverlag der USA Pleite, der u.a. die Los Angeles Time und die Chicago Tribune herausbrachte. Und selbst die New Yok Times kämpft bereits mit finanziellen Schwierigkeiten.....

Schuld daran ist aber nicht die Krise, diese hat allenfalls beschleunigenden Charakter, sondern es erfolgt durch die verstärkte Internet Nutzung und insbesondere durch die neuen Möglichkeiten des Web 2.0 ein struktureller Wandel in der Informationsbeschaffung.

In der PEW Studie wird dieser Trend beschrieben als die Abkehr vom institutionellen Journalismus hin zum individuellen Journalisten. EMail, Blogs, social media, Suchmaschinen etc erlauben dem Informationssuchenden auf die Arbeiten von individuellen "Schreibern" direkt zuzugreifen. Dies können professionelle Journalisten sein, die auf eigenen Websites/Plattformen ihre Dienste anbieten oder aber auch Privatpersonen, die Informationen bereit stellen. Die Konsumenten stellen sich aus verschiedenen Quellen die für sie relevanten Informationen zusammen. Der Zukunftsforscher Matthias Horx spricht diesbezüglich von einer Individualisierung des Medienverhaltens.

Was bedeutet das für die Zeitungen, die 2008 in den USA 4,6% ihrer Auflage und 10% der Beschäftigten verloren und auf die 2009 das möglicherweise schwierigste Jahr seit ihrem Bestehen wartet? Und werden wir diese Zeitungskrise auch in Europa erleben?

Es gilt neue Geschäftsmodelle zu finden, bei denen Zeitungen, Journalisten und andere Informationslieferanten im Web 2.0 Netzwerk integriert und sich ergänzend agieren, Allianzen bilden, sich spezialisieren auf Themen, die sie besser beherrschen als andere und den Rest durch andere abdecken lassen, auf die sie verweisen. Dies beschreibt u.a. Jarvis ("Cover what you do best, link to the rest"). Aber hier wird noch viel Kreativität und eine genaue Beobachtung der Entwicklungen im Internet erforderlich sein, um die richtigen Antworten zu finden und geeignete Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Europa wird vor diese Entwicklung nicht verschont bleiben. In einer repräsentativen Studie hat Deloitte in 5 ausgewählten Ländern die Mediennutzung untersucht (The State of Media Democracy) und dabei festgestellt, dass in Deutschland nach wie vor eine deutliche Dominanz traditioneller Medien wie TV, Bücher und Zeitungen besteht. Andererseits erkunden gerade die Jüngeren verstärkt die technischen Möglichkeiten von Internet- und Multimedia-Applikationen bei Endgeräten wie Smartphones. Generell zeigt die Studie, dass die Deutschen aber schwerer zu begeistern sind als beispielsweise Anglo-Amerikaner oder Brasilianer, daher dauert der Prozess der Umstellung länger.

Fazit: Die Entwicklung wird vermutlich zeitverzögert auch nach Europa kommen und die traditionellen Geschäftsmodelle der Zeitungen massiv herausfordern......

Georg Krause Dr. Georg Krause
gkrause (at) deloitte.at

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