Bereits zum zehnten mal in Folge veröffentlichte die TMT Practice von Deloitte die jährlichen „Predictions“. Diese befassen sich mit Annahmen und Voraussagen für das kommende Kalenderjahr in den Bereichen Telekommunikation, Medien, und Technologie. Diese mit sehr viel Aufwand gestalteten Predictions werden weltweit veröffentlicht und haben sich in den vergangen Jahren als sehr verläßlich erwiesen.
Zu den wichtigsten Trends und Voraussagen für 2010:
Media
Interessant ist hier sicherlich die Entwicklung in USA und UK. Der Zeitungsmarkt ist ja dort schon vor längerer Zeit völlig zusammengebrochen und ein Ende ist nicht in Sicht. (Hierzulande hat man noch nicht so dieses Gefühl, vermutlich hofft der 4. Stand immer noch, dass dieser Kelch an ihnen vorüberzieht.) Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen kommen zwei Schlagworte hoch:
Paywall und Micropayment. Inspiriert vom
Wall Street Journal, eine der ganz wenigen Zeitungen weltweit wo ein kostenpflichtiges Lesen von online Content funktioniert, versuchen sich andere Zeitungen auch mit einem online Abo-Service.
Newsday – eine Tageszeitung die im Großraum Long Island erscheint mit 400.000 Auflage ca. halb so groß ist wie die Kronen Zeitung - hat um rund US$ 4 Mio ein Paywall System eingeführt. (Ein Jahresabo kostet US$20, nicht gerade viel würde man meinen.) Das Ergebnis nach 3 Monaten: 35 Abonnenten. So viel wie in einer Schulklasse sitzen. Ernüchterung machte sich breit. Warum funktioniert es beim Wall Street Journal und nicht bei Newsday? Aus einem wohl ziemlich banalen Grund. Tageszeitungen haben weltweit ihre Kernkompetenz aus der Hand gegeben: Journalismus (im Idealfall den Qualitätsjournalismus). Man beschränkte sich auf das Abschreiben, in weiterer Folge auf das 1:1 kopieren, von Meldungen von Presseagenturen. Dieses Beispiel zeigt ernüchternd wie austauschbar die online Angebote der Tageszeitungen geworden sind. Markentreue oder Verbundenheit zu einem „Blatt“ gibt es nicht mehr. Wie sollte diese auch entstehen wenn alle die gleichen Pressemeldungen abschreiben?
Wall Street Journal setzt auf Qualitätsjournalismus und kann so für seinen Content Geld verlangen, ohne Probleme. (Funktioniert übrigens auch in Österreich mit boerse-express.com pdf einigermaßen).
Der zweite Trend wird wohl Micropayment sein, wo man für einzelne Artikel oder Teile von Informationen oder Bilder Kleinstbeträge, durchaus im Cent-Bereich, zahlt. (Inspiriert wurde man hier nicht zuletzt vom App Store von Apple) Abgesehen von den technischen Herausforderungen die es noch zu lösen gilt-Zig Buchungszeilen auf der Kreditkartenabrechnung mit jeweils 1,5 Cent haben wenig Sinn-wäre es wohl auch hier falsch zu erwarten dass Leute für Meldungen bereit sind zu zahlen nur weil sie eben billig sind. Hingegen bin ich überzeugt dass man für einen qualitativ hochwertigen ordentlich recherchierten Artikel durchaus auch bereit ist ordentlich zu bezahlen. Wahrscheinlich auch mehr als für eine Tagszeitung !? Ähnliches ist im Zeitschriften-Bereich schon länger zu beobachten, hier werden Artikel auf diversen online-Kanälen angekündigt die als Kaufanreiz für die Zeitschrift dienen.
Eine weitere Prediction beschäftigt sich mit dem Thema eBook bzw. eReader. Während man glaubt dass der eReader ein Nischendasein führen wird (sehe ich genau so), prophezeit man dem eBook ein äußerst rosige Zukunft. Dem Verlagswesen könnte ähnliches bevorstehen wie der Musikindustrie.
Apropos hier sollte sich auch einiges tun. Interessant ist die Aussage rund um das Thema „Subscription Music Service“: Der jährliche Umsatz einen Subscribers soll bei US$ 180 liegen deutlich über dem eines Heavy Cd-Buyers der eine CD pro Monat kauft.
Wenig Überraschendes von der 3D Front: Obwohl man glaubt hier einen Zukunftsmarkt zu sehen ist noch viel Arbeit im HDTV, Home HD Cimena, Home Cinema Segment zu tun, mittelfristig wird aber auch 3D Technologie in unsere Wohnzimmer Einzug halten. (Übrigens gibt es von Samsung erste Geräte mit denen man ein Avatar-Feeling zu Hause vermittelt bekommt. Ohne Brille!)
Für die Voraussage dass Web-TV an Bedeutung gewinnen wird muss man wohl kein Prophet sein. Interessanter sind da schon eher die Möglichkeiten die sich dadurch ergeben. Der Werbemarkt für Web-TV und ähnliche Angebote soll äußerst interessant sein, man kann hier direkt wärend der Sendung Umsatz generieren. Der alte Traum: Ein Darsteller in einer Daily Soap verwendet ein noch weißer machendes Waschmittel mit einem Klick kann der Zuseher online kaufen. Das hätte sich Procter & Gamble wohl nicht zu träumen gewagt als man in den 30ern anfing die ersten Soaps zu produzieren, es wird ihnen aber sicher Recht sein wenn man die Produkte nun so an den Konsumenten bringt. (Die erfolgreiche US Teenie Serie „Gossip Girl“ funktioniert seit Jahren nach diesem Prinzip).
Übringens: der weltweite TV-Werbe Markt wird mit US$ 180 Mrd. beziffert der weltweite online Werbemarkt mit US$ 63 Mrd.
Technologie
Tablet PC’s werden ein Trend. Na ja, nach dem Hype um Appels iPad wären wohl Technology Predictions für 2010 ohne so einer Aussage wenig glaubwürdig gewesen, nichts desto trotz beschränken sich die Predictions nicht nur auf Apples iPad sondern auf den gesamten Markt. Hier wird Tablets durchaus zugetraut den globalen Smartphone Markt sowie den PC-Markt ordentlich durcheinander zu bringen.
Bei einem im Moment extrem gehypten Thema wird etwas auf die Bremse getreten: Cloud Computing. Hier sieht man noch zu viele offene Fragen. Die beiden wichtigsten wären wohl der Sicherheitsaspekt bzw. der Verfügbarkeits/Verlässlichkeitsaspekt. Es wird noch einige Zeit dauern bis große Unternehmen auf diesen Zug aufspringen, für das KMU Segmet wird jedoch erwartet dass diese Technologie geradezu abhebt. Zu dieser These passt natürlich auch die, dass es einen Trends zurück zum Thin Client geben wird, hier verspricht man sich enorme Einsparungen im IT-Bereich.
Ein riesen Trend, zumindest in den USA, dürfte Green IT in diesem Jahr werden. Dieser ist aber auch in einem globalen Kontext zu sehen wo man sich generell ganz stark den alternativen Energieformen nähert. Man setzt hier auf Photovoltaik.
Telekommunikation
Der durchschnittlichen User dürfte der „Mobile-Search“-Markt in seiner Existenz wohl nie so richtig wahrgenommen haben. Wie man aus diversen Medien in jüngster Zeit vernommen hat dürften Google und Co das schon länger entdeckt haben. So überwies Google kolportierte US$ 100 Mio. an Apple um seine Suchmaschine als Standard auf allen iPhones zu installieren. Dieser Deal galt für 3 Jahre. Jetzt wird neue verhandelt. Mit dabei auch Microsofts Bing. Der Mobile Search Markt wir immer interessanter weil die Anzahl der Smart-Phones ganz stark zunehmen wird. Dabei geht es nicht nur darum sich das Restaurant in der Nähe zu suchen sondern auch Zusatzdienste drumherum anzubieten wie z.B. die Navigation via GPS oder „Turn by Turn“ Wegangaben. Mobile Search könnte einen großen Einfluß darauf haben wie Mobilfunkprovider zukünftig Smart-Phones stützen werden.
Den nächsten Evolutionsschritt könnte auch das fast schon totgesagte VOIP (Voice over IP) nehmen in Form von Mobile VOIP. Mann stelle sich dazu vor, man kann über das WIFI Netz mit einem Smart-Phone telefonieren, weltweit, kostenlos. Wenn man diesen Gedanken nun weiterdenkt führt das abgesehen von Umsatzeinbußen in der Festnetz- und Mobiltelefonie, zu einer deutlichen Entlastung des herkömmlichen Telefonienetzes. Die so frei gewordenen Ressourcen sollte man in weiser Voraussicht in Nex-Gen Infrastruktur investieren.
Interessanterweise dürfte sich - offensichtlich verstärkt auf dem US-Markt – der Trend klar weg von Flat-Fee Angeboten abzeichnen. Es dürfte deutliche Bestrebungen geben wieder zu „pay per byte you used“ Modellen zurück zu kehren. Begründet wird dass damit, dass es für den durchschnittlichen User signifikant günstiger sein soll als ein Flat Fee Modell und dass die Traffic Preise drastisch gesunken sind, die Flat Fee Preismodelle nicht. Bleibt abzuwarten ob es bei uns ähnliche Entwicklungen geben wird.
Stark zunehmen soll auch die Frage der Verfügbarkeit von Telekommunikationsservices. Mit zunehmender Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit wird es in naher Zukunft notwendig sein bestehende SLA‘s sowohl im Privatkundenbereich als auch im Professionellen Bereich klarer und präziser zu definieren. Daraus werden neue Pricing Modelle resultieren getrieben hauptsächlich durch die agebotene Servicequalität.
Unter dem Schlagwort Vertrag 2.0 geht der Trend im B2B Segment deutlich weg von langfristigen Verträgen. Dadurch kommt es zu mehr Wettbewerb und höherer Volatilität für Provider. Servicequaliät wird an Bedeutung zunehmen, Angreifer werden es bei Markteintritt leichter haben.
Bei Interesse stellen wir die Studien gerne zur Verfügung.
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Robert Hadzetovic
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deloitte - 17. Feb, 16:02